Die Verwaltung von Südgeorgien hat bekanntgegeben, dass das Grossprojekt, die nicht einheimischen Rentiere von der Insel zu entfernen, erfolgreich zu Ende gebracht worden ist. Das Projekt, welches während zweier Südsommer durchgeführt worden war, beinhaltete das Entfernen von über 6'600 Rentieren von der Insel.

Vor 100 Jahren wurden anfänglich 10 Rentiere auf South Georgia ausgesetzt um die Frischfleischversorgung für die norwegischen Walfänger zu sichern.
Vor 100 Jahren wurden anfänglich 10 Rentiere auf South Georgia ausgesetzt um die Frischfleischversorgung für die norwegischen Walfänger zu sichern.

Die Rentiere wurden von norwegischen Walfängern zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die Insel gebracht und nun war norwegisches Können und Wissen massgeblich an der Beseitigung beteiligt. Seit ihrer Ankunft war die Zahl der Rentiere dramatisch angestiegen (von anfangs 10 Tiere auf über 6'600 am Ende) und diese nimmersatten Weidetiere hatten eine zerstörerische Wirkung auf die einheimische Vegetation und dadurch auch auf die einheimische Meeresvogelwelt. Vor allem das Tussockgras, die Blütenpflanzen und die Flechten litten unter dem Frassdruck. Aber auch bodenbrütende Seevögel, die im Tussock nisteten, wurden Opfer des Heisshungers der Rentiere. Wegen der grossen Gletscher auf Südgeorgien, waren die Rentiere auf zwei Hauptgebiete beschränkt. Aber eine rapide Gletscherschmelze, verursacht vor allem durch den Klimawandel, erforderte ein rasches Handeln der Verwaltung, bevor sich die Rentiere in noch rentierfreie Bereiche der Insel ausbreiten würden.

Für Skandinavien-Fans eher ungewöhnlich: Pinguine und Rentiere, auf South Georgia bis vor kurzem alltäglich.
Für Skandinavien-Fans eher ungewöhnlich: Pinguine und Rentiere, auf South Georgia bis vor kurzem alltäglich.

Nach Rücksprache mit Experten und Interessenvertreter, begann die Verwaltung mit der Arbeit, diese nicht-einheimische Tierart von der Insel zu entfernen. Ab Januar 2013 benutzten sie eine Kombination von Zusammentreiben und Bodenjagd im Busen-Gebiet (1'900 Tiere). Das Zusammentreiben wurde von einem Team von norwegischen Sami Rentierspezialisten aus Nordnorwegen übernommen, während erfahrene Scharfschützen des norwegischen Nature Inspectorate für die Bodenjagd verantwortlich waren. Zusätzlich reduzierten diese Scharfschützen die Rentierpopulation auf der Barffhalbinsel um 1'500 Exemplare.

Für die Besucher waren die Rentierherden eine echte Attraktion.
Für die Besucher waren die Rentierherden eine echte Attraktion.

Früh in der Saison von 2014 kehrten sechs norwegische Schützen nach Südgeorgien zurück, um die Operationen auf der Barffhalbinsel zu Ende zu bringen. Das zerklüftete Gebiet und der Mangel an geeigneten Sammelplätzen auf der Halbinsel bedeuteten, dass das Zusammentreiben keine Option war, so dass nur die Bodenjagd als Methode in Frage kam. Die Schützen lebten in Feldlagern mit Zelten und wurden vom Fischereipatroullienschiff der südgeorgischen Verwaltung versorgt. Trotz eines sehr herausfordernden Terrains und dem schlechtesten Sommerwetter seit Jahren, beendeten die sechs Jäger die systematische Suche in allen Gebieten mit Rentieren und erlegten dabei 3'140 Tiere über einen Zeitraum von sechs Wochen. Dazu erklärt Jennifer Lee, die Umweltbeauftragte und Projektleiterin: «Es war eine echte Herausforderung, die Rentiere aus Südgeorgien zu entfernen. Aber dank der harten Arbeit aller involvierter Parteien werden die einheimischen und endemischen Pflanzen und Tiere von Südgeorgien unglaublich stark davon profitieren». In den nächsten Monaten werden die Gebiete sorgfältig kontrolliert, um sicherzustellen, dass kein Rentier übersehen wurde.

Die Rentiere hatten eine zerstörerische Wirkung auf die einheimische Vegetation und dadurch auch auf die einheimische Meeresvogelwelt.
Die Rentiere hatten eine zerstörerische Wirkung auf die einheimische Vegetation und dadurch auch auf die einheimische Meeresvogelwelt.

Das Projekt, das rund 1.1 Millionen Euro gekostet hatte, wurde aus Reserven der südgeorgischen Verwaltung bezahlt. Ein Teil der Kosten wurden wieder durch den Verkauf von Fleischprodukten gedeckt, die während des ersten Teils des Projektes verarbeitet wurden. Neben der Aufgabe, die Rentiere von der Insel zu entfernen, liefen auch mehrere wissenschaftliche Forschungsprojekte, unter anderem auch die Probenentnahme für genetische Analysen und Filmaufnahmen für die Verhaltensforschung. Andere Forschungsteams haben die Vegetation und die Vogelpopulationen weiter beobachtet, um die Wiederherstellung des Inselsystems nach dem Wegfall der Rentiere zu dokumentieren. Obwohl es einige Jahre in Anspruch nehmen dürfte, bis die ganzen Vorteile des Projektes ersichtlich sind, gibt es bereits jetzt schon frühe Anzeichen einer Wiederbelebung der Vegetation, besonders im Busengebiet, welches bereits seit einem Jahr rentierfrei ist. «Die Kombination unserer beiden Grossprojekte, das Rattenbekämpfungsprojekt und das Rentierentfernungsprojekt, werden uns helfen, Südgeorgien wieder in einen beinahe natürlichen Zustand zu versetzen. Wir erwarten, eine schnelle Verbesserung und Erholung der Vegetation, der Insektenpopulationen und besonders der bodenbrütenden Vogelpopulationen».

Binnen 100 Jahren hat sich die Population von anfänglich 10 Tiere auf über 6'600 Rentiere vergrössert.
Binnen 100 Jahren hat sich die Population von anfänglich 10 Tiere auf über 6'600 Rentiere vergrössert.

Das Rentierprojekt ist eines von mehreren Programmen, die gestartet wurden, um einen besseren Schutz für die einmalige Natur und Landschaft Südgeorgiens und seiner einheimischen Arten zu gewährleisten. Mit der Beendigung der Hauptphase des Rentierprojektes, steht nun die Tür für den «South Georgia Heritage Trust» offen, mit der dritten und finalen Phase ihres ambitiösen Rattenbekämpfungsprojektes 2015 zu beginnen. Dazu sagt Nigel Haywood, Kommissar und Gouverneur der Falklandinseln: «Dies bedeutet ein sehr wichtiger Meilenstein in unserem Bemühen, die einheimische Fauna und Flora Südgeorgiens zu beschützen. Ich danke Jennifer und dem Team für die sichere und pünktliche Beendigung dieses Projektes».

Quelle: Dr. Jennifer Lee, GSGSSI