Während in der Arktis aufgrund des Klimawandels das Eis praktisch im Sekundentakt wegschmilzt und die Alarmglocken geschlagen werden, scheint in grossen Bereichen des antarktischen Kontinents kein Effekt sichtbar zu sein. Diese Diskrepanz wird gerade von Klimawandelskeptikern gerne als Beweis genommen, dass kein Klimawandel und keine steigenden Treibhausgase existieren. Doch eine neue, von der australischen Nationalen Universität ANU durchgeführte Studie erklärt nun, warum die Antarktis sich nicht so stark erwärmt wie andere Kontinente. Gleichzeitig zeigt sie auch, warum es in Südaustralien zu immer mehr Trockenzeiten kommt.

Dr. Nerilie Abram, die Leiterin der Studie, mit einem Bohrkern aus dem antarktischen Eisschild © Paul Rogers
Dr. Nerilie Abram, die Leiterin der Studie, mit einem Bohrkern aus dem antarktischen Eisschild © Paul Rogers

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die steigenden Mengen von Kohlendioxid in der Atmosphäre die stürmischen Südpolarmeerwinde verstärken, die normalerweise den notwendigen Regen für Südaustralien liefern. Ausserdem werden sie gleichzeitig weiter nach Süden in Richtung Antarktis verschoben. Die Hauptautorin der Studie, Nerilie Abram von der Abteilung Erdwissenschaften der ANU erklärt, dass die Resultate das Geheimnis lüften, warum sich die Antarktis nicht so stark erwärmt wie die Arktis und warum Australien mehr Trockenheiten in der Zukunft erwarten muss. «Durch steigende Treibhausgasmengen und die resultierende Erwärmung stiehlt die Antarktis tatsächlich mehr von Australiens Regenfällen. Das sind keine guten Nachrichten. Wenn da die Treibhausgase weiter ansteigen, werden immer weniger Stürme und Regenfälle nach Australien transportiert», sagt Dr. Abram. «Mit dem Zusammenpressen der Westwinde, wird mehr kalte Luft über der Antarktis gehalten», erklärt sie weiter. «Deswegen hat sich die Antarktis bisher dem allgemeinen Erwärmungstrend entziehen können. Jeder andere Kontinent wird aufgeheizt und die Arktis erwärmt sich am schnellsten von allen Orten der Welt».

Auf der Antarktischen Halbinsel hat die Sommereis-Schmelze in den letzten Jahren massiv zugenommen.
Auf der Antarktischen Halbinsel hat die Sommereis-Schmelze in den letzten Jahren massiv zugenommen.

Das Antarktika-Paradoxon und die Westwindgeschichte

Während die meisten Regionen der Antarktis kalt bleiben, beobachtet man auf der antarktischen Halbinsel massive Anstiege der Sommereisschmelze, Gletscherrückgänge und das Kollabieren von Eisschelfen. Denn die stärkeren Westwinde wehen schneller durch die Drake Passage und heizen das Klima aussergewöhnlich stark auf. Bis zur Veröffentlichung dieser Studie im bekannten Fachjournal Nature Climate Change stammten Daten aus Beobachtungen des Antarktis-Klimas nur aus den letzten 50 Jahren. Doch durch die Analysen von Eisbohrkernen der Antarktis, zusammen mit der Analyse von Baumringen und Sedimenten von Seen in Südamerika, konnten Dr. Abram und ihre Kollegen die Geschichte der Westwinde für die letzten 1'000 Jahre zurückverfolgen. «Die Südpolarmeerwinde sind heutzutage stärker als irgendwann sonst in den letzten 1'000 Jahre», erzählt Abram. «Die Verstärkung dieser Winde war besonders stark in den letzten 70 Jahren. Und durch das Kombinieren unserer Beobachtungen mit aktuellen Klimamodellen können wir ganz klar eine Verbindung zu den steigenden Treibhausgasmengen in der Atmosphäre herstellen»

Keine guten Aussichten für die Bauern in Australien; wenn es nach den Hervorsagen der Wissenschaft geht gehört dieses Bild schon bald zum Alltag.
Keine guten Aussichten für die Bauern in Australien; wenn es nach den Hervorsagen der Wissenschaft geht gehört dieses Bild schon bald zum Alltag.

Die beiden Co-Autoren der Studie, Dr. Robert Mulvaney und Professor Matthew England, erklären, dass die Studie Schlüsselfragen über den Klimawandel in der Antarktis beantwortet hat. «Die Verstärkung der Westwinde helfen uns zu erklären, warum grosse Teile des antarktischen Kontinents noch keine Beweise für den Klimaerwärmung zeigen», sagt Dr. Mulvaney, der für die British Antarctic Survey (BAS) arbeitet. «Diese neue Studie zeigt, dass Klimamodelle eine gute Arbeit liefern in Bezug darauf, wie die Westwinde auf die steigenden Treibhausgasmengen reagieren werden», fügt Professor England vom Climate Change Research Centre an der Universität von New South Wales, Australien, an. «Doch das sind keine guten Neuigkeiten für die Bauern, die auf die Winterregenfälle über den südlichen Teilen Australiens angewiesen sind».

Quelle: Australian National University, http://news.anu.edu.au