Die Antarktis gilt als das letzte grosse Wildnisgebiet auf der Welt. Beinahe ungestört von menschlichen Aktivitäten wurde das gesamte Gebiet unterhalb des 60. Breitengrades in ein riesiges Naturschutzgebiet verwandelt. Trotzdem möchte man den Menschen diese Region nicht vorenthalten und organisiert Reisen dorthin. Damit diese Reisen in einer sicheren und vor allem umweltverträglichen und trotzdem profitablen Art durchgeführt werden können, wurde die IAATO gegründet. Sie sorgt in Abstimmung mit den Antarktisvertrags-Staaten dafür, dass die Antarktis auch weiterhin nicht von Massentourismus überrannt wird und weiterhin die Wildnis bleibt, wo wir nur Gäste sind.

Die IAATO regelt seit 25 Jahren den Tourismus in der Antarktis. Im Bild die MV «Ortelius» der holländischen Reederei «Oceanwide Expeditions». Die «Ortelius» ist zurzeit das einzige Touristen-Schiff welches bei einigen Abfahrten Helikopter mitführt.
Die IAATO regelt seit 25 Jahren den Tourismus in der Antarktis. Im Bild die MV «Ortelius» der holländischen Reederei «Oceanwide Expeditions». Die «Ortelius» ist zurzeit das einzige Touristen-Schiff welches bei einigen Abfahrten Helikopter mitführt.

Seit 25 Jahren trifft sich die IAATO regelmässig, um die Richtlinien und Regelungen für einen sicheren, umweltverträglichen und profitablen Tourismus festzulegen, um weitere Ideen und Kollaborationen zwischen Tourismusvertretern und anderen Gesellschaften und Organisationen zu diskutieren. In diesem Jahr konnte dieses kleine Jubiläum, das 25. Treffen, in Providence, Rhode Island, USA durchgeführt werden. PolarNEWS, als Associate B2 Mitglied seit letztem Jahr registriert, war auch zum ersten Mal dabei. Der Tagungsort wurde absichtlich hier gewählt, da die IAATO in Zukunft ihren Hauptsitz hier in Providence haben wird.

Jedes Frühjahr treffen sich die Mitglieder der IAATO zum Erfahrungsaustausch.
Jedes Frühjahr treffen sich die Mitglieder der IAATO zum Erfahrungsaustausch.

Leichter Anstieg der Besucherzahlen

Wie jedes Jahr wurden auch die Zahlen der vergangenen Saison 2013/14 von Kim Crosbie, der Geschäftsführerin der IAATO, vorgestellt. Dabei konnte ein leichter Anstieg der Besucherzahlen um 9% auf 37'405 vorgelegt werden. Diese Zahl liegt aber immer noch unter dem Rekordjahr 2007/08, wo über 46'000 Besucher in die Antarktis gereist waren. Den grössten Anstieg innerhalb der verschiedenen Reisemöglichkeiten verzeichnete der Flug-Kreuzfahrt-Bereich, der um satte 16% innerhalb eines Jahres stieg. Von den konventionellen Schiffspassagen fielen rund 68% auf kleinere Schiffe mit weniger als 500 Passagiere. Besonders interessant bei der Betrachtung ist die Verteilung der Nationalitäten der Besucher: rund 1/3 aller Besucher stammten aus den USA, 11% aus Australien und 8% aus Deutschland und nochmals 8% aus Grossbritannien. Aber auch der Ferne Osten konnte einen Anstieg verzeichnen mit 9% der Besucher aus China allein. Ein kleiner Rückgang wird für die kommende Saison 2014/15 erwartet mit rund 36'200 Touristen. Trotzdem erfreut sich die Antarktis steigender Beliebtheit. Neue Mitgliederanträge von Schiffsbetreibern und weiteren Expeditionsfirmen stehen, wie jedes Jahr auch dieses Mal auf der Agenda. Unter anderem von Betreibern, die neue Schiffe bauen und ihre Fahrtrouten auch in diese Regionen ausweiten möchten oder Gesellschaften, die mit Trucks Fahrten durch Antarktika durchführen möchten.

Erstmals war PolarNEWS an einer IAATO-Tagung mit dabei, vertreten durch Dr. Michael Wenger im Bild rechts.
Erstmals war PolarNEWS an einer IAATO-Tagung mit dabei, vertreten durch Dr. Michael Wenger im Bild rechts.

Erfolgreiche Antarktis-Saison 2013/14

Neben den erfreulichen Besucherzahlen ist ein weiterer Punkt die Sicherheit der Reisen. Denn trotz moderner Kommunikationsmittel und verbesserten Transportmöglichkeiten bleiben die Expeditionsfahrten in die Antarktis immer noch ein Abenteuer, welches von Wetter- und Eisbedingungen abhängig ist. In diesem Punkt war die Saison erfolgreich, da schwere Zwischenfälle ausblieben, nicht zuletzt dank der Einhaltung der Reglemente und Sensibilisierung der Guides gegenüber den Passagieren. Der Shokalsky-Zwischenfall, der weltweit für Schlagzeilen sorgte, war KEINE Reise eines IAATO-Mitglieds und konnte deshalb als Lehre betrachtet werden, wie derartige Zwischenfälle vermieden oder zumindest reduziert werden sollten. Auch in Bezug auf Zusammenarbeiten mit anderen Gruppierungen oder Wissenschaftler war die vergangene Saison erfolgreich. Besonders erwähnenswert sind die Neuigkeiten aus Südgeorgien, wo die IAATO-Mitglieder die Verwaltung bei ihrem Kampf gegen invasive Arten unterstützt. Besonders das Rat Eradication Program South Georgia Heritage Trust (SGHT), welches die komplette Beseitigung der Nagetiere aus Südgeorgien zum Ziel hat, weist eine erfolgreiche Phase II aus. Bis anhin wurden keine Anzeichen für Ratten im Norden und Nordosten gefunden. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt dank der zahlreichen Spenden der Passagiere und den Aufklärungsarbeiten der IAATO-Mitglieder während der Fahrten zu verdanken.

Freundschaftliche Atmosphäre

Obwohl die einzelnen Mitglieder geschäftlich gesehen untereinander in Konkurrenz stehen, ist an diesen Meetings keinerlei Druck zu spüren. Das 5-tägige Treffen lief, wie immer, in einer sehr entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre ab und neuen Mitglieder wurden warmherzig empfangen. Cocktailparty, ein gemütliches Abendessen im New England-Stil mit entsprechenden kulinarischen Spezialitäten und einzelne Mittag- oder Abendessen rundeten den sozialen Aspekt ab und boten genügend Möglichkeiten, sich kennenzulernen, auszutauschen und mit langjährigen Bekannten einen Schwatz zu halten. Man kennt und respektiert sich halt und möchte vor allem eines: dass Reisen in die Antarktis weiterhin ein einzigartiges Erlebnis sind, welches bei allen ein Leben lang halten soll.

Quelle: Michael Wenger, PolarNEWS www.polarnews.ch