Um die Antarktis soll ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten entstehen. Vor diesem Hintergrund hat die Antarctic Ocean Alliance (AOA) heute ihren neuen Bericht «Vermächtnis des Südlichen Ozeans: Eine Vision für den Schutz des Weddell-Meeres» (Antarctic Ocean Legacy: Towards Protection of the Weddell Sea Region) veröffentlicht. Dieser Bericht soll einen wichtigen Beitrag leisten zu den aktuellen wissenschaftlichen und politischen Bemühungen, eines der letzten weitgehend intakten Ökosysteme der Erde – dem Weddell-Meer südlich des Atlantischen Ozeans – effektiv zu schützen. Derzeit erarbeiten Deutschland und Russland gemeinsam einen Vorschlag für ein Meeresschutzgebiet in dieser Region. Der Bericht ist ein Teil des Vorschlags der AOA zur Schaffung von Meeresschutzgebieten (MSG) und Fangverbotszonen in 19 Regionen rund um die Antarktis.

Das Weddel Meer soll, wenn es nach den Anstrengungen verschiedener Interessengruppen geht zum Schutzgebiet erklärt werden.
Das Weddel Meer soll, wenn es nach den Anstrengungen verschiedener Interessengruppen geht zum Schutzgebiet erklärt werden.

«Deutschland hat die ökologische Bedeutung des Weddell-Meeres erkannt und führt gemeinsam mit Russland den Prozess an, der den Schutz dieser überaus wichtigen Region zum Ziel hat. Die AOA unterstützt diese Zusammenarbeit und begrüsst die Zusage Russlands für die Schaffung von Meeresschutzgebieten», sagt Onno Gross von der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE.

Durch Schutzmassnahmen für die im neuen AOA-Bericht besonders hervorgehobenen Regionen und durch Beachtung des Vorsorgeprinzips kann die Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources – CCAMLR) Bereiche schützen, die insgesamt ein breites, repräsentatives Spektrum an Arten, Lebensräumen und Ökosystemen im Weddell-Meer umfassen – von der oberen Zone der Wassersäule bis zum Meeresboden –, darunter wichtige Biodiversitäts-Hotspots.

Typischer Bewohner der Weddel Sea. Es sind einige Kolonien der Kaiserpinguine in dieser Region bekannt. PolarNEWS organisiert jedes Jahr im November eine Fahrt zur nördlichsten Kaiserpinguinkolonie bei Snow Hill Iceland.
Typischer Bewohner der Weddel Sea. Es sind einige Kolonien der Kaiserpinguine in dieser Region bekannt. PolarNEWS organisiert jedes Jahr im November eine Fahrt zur nördlichsten Kaiserpinguinkolonie bei Snow Hill Iceland.

«Grosse, vollständig geschützte Fangverbotszonen sind ein unerlässliches Mittel zur Wahrung der unglaublichen Biodiversität des Weddell-Meeres», betont Andrea Kavanagh, die für The Pew Charitable Trusts die Kampagnenarbeit für Fangverbotszonen koordiniert. «Die Mitgliedsstaaten der Kommission haben die Aufgabe, umfassende Schutzmassnahmen für die Gewässer rund um die Antarktis zu erlassen, aber bis heute ist es ihnen trotz mehrjähriger Verhandlungen und Diskussionen nicht gelungen, Schutzzonen für das Ross-Meer und die Ostantarktis auszuweisen. Wir begrüssen die Zusammenarbeit Deutschlands und Russlands am Vorschlag zum Weddell-Meer und hoffen, dass hierdurch für die Sitzung der Kommission kommenden Oktober ein Ende des bislang herrschenden Stillstands signalisiert wird.»

Das eisbedeckte, wilde und abgelegene Weddell-Meer ist für Menschen oft unzugänglich. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch mit zunehmender Forschungstätigkeit das vielseitige Bild eines äusserst lebendigen marinen Ökosystems herausgebildet, das von Strömungen, Formationen am Meeresgrund und Eis gezeichnet wird.

Die Weddell Sea ist für Menschen nur schwer zugängig. Nur die nördlichsten Regionen im Bereich der Antarktischen Halbinsel sind mit den grossen Eisbergen sind für Besucher zu erreichen.
Die Weddell Sea ist für Menschen nur schwer zugängig. Nur die nördlichsten Regionen im Bereich der Antarktischen Halbinsel sind mit den grossen Eisbergen sind für Besucher zu erreichen.

«Die Einrichtung eines Netzwerks von Schutzgebieten im Weddell-Meer kann dazu beitragen, dass die Krill-Bestände und Tiere der oberen trophischen Ebene wie Wale, Robben und Kaiserpinguine weiter gedeihen. Zudem dient ein solcher Schutz der Steigerung der Widerstandsfähigkeit dieser Region gegen die Versauerung des Ozeans, den Klimawandel und steigende Fischereiinteressen», so Tim Packeiser, Meeresschutzexperte beim WWF.

Hornkoralle im Weddell Meer. Diese korallenverwandten Nesseltiere können interessanterweise auch auf Weichböden gut leben. Hier haben sie sich aber einen grossen Stein als Substrat «ausgesucht». Foto: Julian Gutt, AWI
Hornkoralle im Weddell Meer. Diese korallenverwandten Nesseltiere können interessanterweise auch auf Weichböden gut leben. Hier haben sie sich aber einen grossen Stein als Substrat «ausgesucht». Foto: Julian Gutt, AWI

Klimawandel

Der Bericht macht deutlich, dass das Weddell-Meer besonders anfällig ist für Schäden, die durch den Klimawandel und die Versauerung des Ozeans verursacht werden, und führt Beispiele für Veränderungen an, die schon heute zu beobachten sind, darunter ein scharfer Kontrast zwischen dem westlichen und dem östlichen Sektor. Im neben der westlichen Antarktischen Halbinsel gelegenen westlichen Sektor, der zu den sich am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde zählt, geht die Erwärmung mit einem Rückgang des Meereises einher. Im östlichen Sektor dagegen nimmt das Meereis seit Jahrzehnten zu und trägt entscheidend zur allgemeinen Steigerung der Ausdehnung des Meereises im Südlichen Ozean bei.

«Die Schaffung neuer MSG in wichtigen Ökosystemen wie dem Weddell-Meer ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg hin zu einer Steigerung der Widerstandsfähigkeit des Südlichen Ozeans, der der Antarktis angesichts des drohenden Klimawandels wesentliche Unterstützung bieten kann», so Fabian Ritter von Whale and Dolphin Conservation (WDC).

Diese Seeanemone im Weddel Meer hat sich an einem Stein festgeklammert. Foto: Julian Gutt, AWI
Diese Seeanemone im Weddel Meer hat sich an einem Stein festgeklammert. Foto: Julian Gutt, AWI

Der Weg zur CCAMLR

Die AOA ruft alle Staaten, die der Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) angehören, dringend dazu auf, 2014 weiträumige, dauerhafte und durch ökologische Vielfalt gekennzeichnete MSG in der Ostantarktis und dem Ross-Meer zu schaffen. Daneben appelliert die AOA an Russland und Deutschland, einen fundierten Vorschlag für Meeresschutzgebiete im Weddell-Meer im Jahr 2015 vorzulegen. Dies sind unerlässliche, visionäre Schritte zur rechten Zeit auf dem Weg hin zur Schaffung eines Netzwerks von MSG und Fangverbotszonen im Südlichen Ozean, die den bis heute gemachten Zusagen der CCAMLR entsprechen.

«Die AOA hofft, dass das Engagement Russlands für den Schutz des Weddell-Meers bedeutet, dass Russland auch hinsichtlich der Vorschläge zur Ostantarktis und dem Ross-Meer eine Führungsrolle übernehmen wird», so Onno Gross abschliessend.

Quelle: Antarctic Ocean Alliance, www.aoa.org