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Warnung

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Die schmelzenden Permafrostböden beschleunigen den Klimawandel voraussichtlich stärker als bislang vermutet. Das dürfte grössere Auswirkungen auf das Klima haben als gedacht, denn die Böden enthalten Milliarden Tonnen eingeschlossenes Treibhausgas.

Tundra Feuer
Durch das Auftauen der Permafrostböden werden Methangase freigesetzt, diese beschleunigen die Erderwärmung massiv.

Die neuen Forschungsergebnisse bringen den bisherigen Stand der Wissenschaft in Bezug auf Permafrostböden gehörig ins Wanken. Laut neuen Prognosen werden die Dauerfrostöden der Arktis bis 2100 zur Hälfte auftauen, dabei könnte ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung. «Wenn diese Böden einmal anfangen zu tauen, werden sie jahrzehntelang Treibhausgase freisetzen, ohne dass man viel dagegen tun kann», warnen Edward Schuur von der University of Florida und seine Kollegen vom Permafrost Carbon Research Network. «Unsere kollektive Schätzung deutet darauf hin, dass der Kohlenstoff schneller und in Mengen freigesetzt wird, die Grund zur Besorgnis geben», so die Forscher weiter.

Tiefenmessung Permafrost
Heute tauen im Sommer nur die obersten 40-80 cm auf, dies könnte sich in Zukunft rasant ändern. In Sibirien erreicht der Permafrost Tiefen von bis zu 1.500 Meter.

Die Permafrostböden enthalten etwa 1700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste von Pflanzen und Tieren aus Tausenden von Jahren. Das sei dreimal mehr als bislang angenommen, schreiben die Forscher - und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten sei.

In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO² und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundra-Feuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, seien bereits Zeugen dieses Erwärmungsprozesses.

Permafrost auftauen
Durch das Auftauen gehen grosse Landflächen verloren, oder werden unpassierbar.

Um zu berechnen, wie schnell sich der Permafrost erwärmt und wie viel Klimagase er dabei freisetzt, orientieren sich die alten Modelle vor allem an der steigenden Lufttemperatur. Die Wirklichkeit sei jedoch sehr viel komplexer, so die Autoren. Mit dem Schmelzen von Eiskeilen im Boden kollabiere der Untergrund - und dies beschleunige wiederum den Tauvorgang. Das sichtbare Ergebnis seien die wie «betrunken» aussehend, schiefstehenden Bäume. Weitere Faktoren seien die Bodenfeuchte und sehr tief liegende Kohlenstoffvorkommen.

Permafrost Schäden
An den Küsten Alaskas sind die Schäden des Permafrost-Verlustes deutlich zu sehen.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen sind alarmierend: Unter dem stärksten Erderwärmungsszenario - ein Temperaturanstieg von 7,5 Grad Celsius bis 2100 - würden 47 bis 61 Prozent der obersten drei Meter des Permafrostbodens bis zum Ende des Jahrhunderts zerfallen. Der CO²-Ausstoss beschleunigt sich dabei über die Jahre. Bis 2040 würden 30 bis 63 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt - sowohl als CO² als auch als Methan, bis 2100 vervielfache sich diese Menge auf 232 bis 380 Milliarden Tonnen. Dieser Anstieg an Kohlenstoff wäre 1,7 bis 5,2 Mal stärker als bisher berechnet.

Samenbank Spitzbergen
In Spitzbergen wurde eine Samenbank gebaut, die tief ins Eis des Permafrost hineinführt. Die Temperatur steigen nie über -5° Celsius. Die Samen werden auf -18°C gekühlt, damit sind sie tausende von Jahren noch nutzbar.