×

Warnung

JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 62

Es ist schwer zu glauben, dass die Temperaturen und Schneemengen, die während der Januarwochen und Anfangs Februar 2012 beinahe ganz Europa lahmgelegt haben, mit der Klimaerwärmung im Zusammenhang stehen sollen. Eine chinesisch-amerikanische Forschungsgruppe präsentiert jedoch jetzt Hinweise, die genau diese These belegen sollen.

Schnee in Zuerich
Seit Jahren gab es in Mitteleuropa nicht mehr so viel Schnee und über längere Zeit Temperaturen unter minus 10 Grad Celsius.

Die Verringerung der Eisdecke im Nordpolarmeer wird im Allgemeinen als stärkstes Anzeichen für die drohende Klimaerwärmung angeführt mit global steigenden Temperaturen. «Schaut man sich jedoch die Wintereinbrüche in Nordamerika, Ostasien und Europa der letzten Jahre an, findet man Hinweise auf grössere Schneemengen und tiefere Temperaturen», wie Dr. Jiping Liu vom Georgia Institute of Technology, Atlanta, in einem Interview mit BBC News ausführt. Das Team verglich in ihrer Arbeit Temperatur und Luftdruck sowohl an der Erd- wie auch an der Wasseroberfläche und die Niederschlagsmengen und Schneehöhen aus den Jahren 1979 bis 2010 von verschiedenen Messstationen.

Die Forscher kommen zum Schluss, dass der Verlust der Eisdecke in der Arktis im Sommer und die verspätete Neueisbildung im Herbst im Zusammenhang mit den strengeren Wintern in vielen Teilen der nördlichen Hemisphäre stehen. Diese Verbindung selbst ist zwar nichts Neues, jedoch legt die Forschungsgruppe starke Beweise für eine solche Verbindung dar, wie in der Publikation, die in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) erscheinen wird.

Eisschwund in der Arktis
Die Eisdecke des Nordpolarmeeres hat sich in den letzten Jahren um beinahe 30% reduziert. Das hat Einfluss auf das Klima in Europa.

Kältere Winter durch Veränderungen im Jetstream

Bis anhin wurde ein direkter Zusammenhang zwischen der schwindenden Eisdecke und dem Klima in Europa via Abschwächung des Golfstroms erklärt. In diesem Szenario würden die warmen Luftpakete aus dem subtropischen Gürtel nicht mehr ganz bis Europa transportiert werden, was zu einem Abfall der Temperaturen und der Niederschläge in Europa führen sollte. Die Gruppe um Liu argumentiert nun, dass aufgrund der mangelnden Eisdecke sich die Wassertemperaturen stärker erhöhen und im Herbst eine Neueisbildung verzögert, bis die Wärme in die Atmosphäre abgegeben worden ist. Dadurch verringert sich der natürliche Druckunterschied zwischen den arktischen und den südlicheren Breitengraden. Als Konsequenz davon wird der Jetstream, eine globale, von West nach Ost verlaufende Höhenströmung, die im Winter häufig mildere Atlantikluft nach Europa getragen hatte, abgeschwächt und mäandrieren mehr zwischen den 45. und 60. Breitengrad. Dies führt dazu, dass kalte Luft von Norden weiter nach Süden getragen wird und dies zu den arktischen Temperaturen in weiten Teilen Europas, Nordamerikas und Ostasiens führt.

Mehr Schnee erreicht Europa

Durch die grösseren Mengen an Wasser, welches durch das fehlende Eis im Nordpolarmeer in die Atmosphäre durch Verdunstung gelangt, werden die Luftmassen, die vom mäandrierenden Jetstream nach Süden gebracht werden, auch stärkere Niederschläge in Form von Schnee und Eisregen mit sich bringen.

Das Forscherteam stellt jedoch auch fest, dass das Gesamtbild weitaus komplizierter ist. Weitere Faktoren dürften nach Meinungen der Forscher daran beteiligt sein, beispielsweise die allgemeinen natürlichen Schwankungen, die Nordatlantische Oszillation (eine natürliche Luftdruckveränderung), Veränderungen der Sonneneinstrahlung und sogar El Niño. Trotzdem glauben Dr. Liu und sein Team, dass mit Hilfe von Messungen der Eisfläche ein Werkzeug zur Verfügung steht, welches helfen kann, die Prognosen für kommende Winterereignisse zu verbessern.