Während des 2. Weltkrieges und der Ära des Kalten Krieges lag Grönland im Fokus von westlichen Militärstrategen aufgrund seiner Nähe zu Russland. Verträge zwischen Dänemark und den USA erlaubten den Aufbau von US Militärbasen auf der grössten Insel der Welt, sogar unter dem Eisschild. Nach dem Ende des Konflikts wurde die meisten Basen wieder aufgegeben, jedoch nicht aufgeräumt. Dies führte zu einer hitzigen Debatte zwischen den dänischen und grönländischen Regierungen. Nun haben die beiden Seiten doch eine Einigung zur Beendigung des Streits erzielt.

Obwohl sie die meisten Basen verlassen haben, besitzen die US Streitkräfte noch immer einen Fuss in der Tür von Grönland. Die Thule Luftwaffenbasis an der nordwestlichen Küste ist immer noch in Gebrauch. Bild: TSGT Lee E. Schading / US Air Force
Obwohl sie die meisten Basen verlassen haben, besitzen die US Streitkräfte noch immer einen Fuss in der Tür von Grönland. Die Thule Luftwaffenbasis an der nordwestlichen Küste ist immer noch in Gebrauch. Bild: TSGT Lee E. Schading / US Air Force

Dänemark und sein arktischer Vertreter Grönland, welches weitreichende Autonomierechte besitzt, haben eine Einigung unterzeichnet in Bezug auf die Aufräumarbeiten von US-amerikanischen Militärinstallationen, die nach dem Ende des Kalten Krieges in der unberührten Landschaft Grönlands liegengelassen worden waren. Die Einigung sieht Investitionen von rund €24 Millionen (DK 180 Millionen) für die Aufräumarbeiten vor. Grönlands Premierminister Kim Kielsen und der dänische Umweltminister Esben Lunde Larsen hatten den Deal Mitte Januar in Kopenhagen unterzeichnet. Lunde Larsen sagte, dass ein dänisch-grönländischer Lenkungsausschuss entscheiden wird, wann und wo die Arbeiten beginnen werden. Hintergrund: Ein Abkommen Dänemarks und der USA aus dem Jahr 1951 erlaubte den US-Streitkräften den Bau von 33 Basen und Radarstationen auf grönländischem Boden. Doch der Vertrag hatte damals nicht beinhaltet, wer für allfällige Aufräumarbeiten verantwortlich sein würde.

Neben konventionellen Radar- und Luftwaffenbasen baute das US-Militär auch Camp Century, eine unter der Eiskappe gelegene Abschussbasis für Atomraketen und mit einem kleinen Kernreaktor zur Energieversorgung. Der Abbau dieser Station wird separat verhandelt.
Neben konventionellen Radar- und Luftwaffenbasen baute das US-Militär auch Camp Century, eine unter der Eiskappe gelegene Abschussbasis für Atomraketen und mit einem kleinen Kernreaktor zur Energieversorgung. Der Abbau dieser Station wird separat verhandelt.

Lunde Larsen und Kielsen griffen Gebiete südlich der grönländischen Hauptstadt Nuuk an der Westküste und Tasiilaq an der Ostküste heraus, wo verlassene Gebäude, zurückgelassene Fahrzeuge und leere Treibstofffässer entlang von Flugpisten vor sich hin rosten. Diese Pisten wurden von den Amerikanern während des 2. Weltkrieges für die Luftversorgung der Truppen in Nordafrika und Europa als Zwischenlandungen und Auftankstationen genutzt. Von der Einigung zwischen Dänemark und Grönland ist eine immer noch genutzte Einrichtung ausgeschlossen plus Camp Century, eine unter dem Eis gelegene Raketenabschussbasis, die 1966 aufgegeben wurde, als das Eis begann, die Anlage zu begraben. Bei einer separaten Einigung zwischen den Ländern im Februar 2017 wurde beschlossen, die niemals fertig gestellte Anlage für Atomraketen unter dem Eisschild zu beobachten und für spätere Arbeiten zu beurteilen. «Ich bin sehr zufrieden, dass wir zusammen die Aufräumarbeiten durchführen», erklärt Premierminister Kielsen und fügt an, dass Grönland schon lange den Wunsch hatte, die Hinterlassenschaften der amerikanischen Aktivitäten zu entfernen.

Der grönländische Eisschild ist der zweitgrösste der Welt. Nur kleine Teile entlang der grönländischen Küste sind eisfrei und waren für militärische Zwecke nutzbar. Bild: NASA
Der grönländische Eisschild ist der zweitgrösste der Welt. Nur kleine Teile entlang der grönländischen Küste sind eisfrei und waren für militärische Zwecke nutzbar. Bild: NASA

Quelle: The Associated Press / CBC News