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Wilde Stürme, unberechenbares Eis, Gefahr durch Schiffsunglücke: Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der norwegische Admiral Trond Grytting, wie sich sein Land für die Herausforderungen in der Arktis wappnet - und wie es mit den Ambitionen Russlands in der Region umgeht.

SPIEGEL ONLINE: Während des Kalten Krieges bewachten die norwegischen Soldaten die nördliche Grenze zwischen Ost und West. Wie kommen Sie heute mit Ihren russischen Nachbarn aus?
Grytting: Wir treffen uns regelmässig mit den Befehlshabern der russischen Marine, sprechen uns ab. Wir veranstalten gemeinsame Manöver und koordinieren Rettungseinsätze. Vergangene Woche etwa sank in der Barentssee ein russischer Fischtrawler und wir haben die gerettete Besatzung an Bord genommen. Hier oben gibt es nämlich nicht wirklich viele Schiffe, die zur Rettung eines havarierten Schiffes eilen können.

SPIEGEL ONLINE:
Klingt nach friedlichem Miteinander.
Grytting: Ja, aber gleichzeitig sieht sich die norwegische Marine neuen, grossen Herausforderungen entgegen. Norwegen fördert bereits Gas in der Barentssee, Russland wird bald folgen. Das schmelzende Meereis in der Arktis wird uns schon bald deutlich mehr Schiffsverkehr bescheren. Containerschiffe könnten die Nord-Ost-Passage zwischen Europa und Asien nutzen, um Seemeilen zu sparen.

Trond-Grytting

Trond Grytting ist Konteradmiral der norwegischen Armee. Er kommandiert vom Hauptquartier in Bodø aus die norwegische Marine im Norden des Landes. Einen Teil seiner Ausbildung hat er in Bremerhaven absolviert.

SPIEGEL ONLINE: Welche Aufgabe fällt Ihnen dabei zu?
Grytting: Tankschiffe werden Öl und Gas aus den neuen Fördergebieten der Arktis transportieren. Sie müssen mit schweren Stürmen polarer Tiefdruckgebiete rechnen, die urplötzlich aus dem Norden aufziehen und schwer vorherzusehen sind. Auch Eisschollen dürften noch nicht der Vergangenheit angehören. Das bedeutet für uns ein erhöhtes Gefahrenpotential für die Umwelt.

SPIEGEL ONLINE:
Gilt nicht gleiches auch militärisch? Immerhin wollen die Anrainerstaaten des Nordpolargebietes die vermuteten Bodenschätze der Arktis nutzen, ihre Einflussgebiete ausbauen. Als letztes Land verkündet nun auch Russland eine Arktis-Initiative.
Grytting: Wir beobachten bereits seit einigen Jahren eine deutlich verstärkte militärische Aktivität Russlands im Hohen Norden. Die russische Armee formiert sich neu, modernisiert sich und wird schon bald wieder den Status einer Armee erhalten, wie er mit dem Anspruch einer Grossmacht einhergeht. Sie ist eingebettet in die russische Doktrin und soll den Zielen des Staates dienen. Wir konnten im Georgien-Krieg sehen, dass es die Regierung ernst damit meint.

russische-Flugzeuge

Bedrohliche Nähe: Russische Flugzeuge fliegen immer öfter - wie hier zu sehen - an die Grenze des norwegischen Luftraums heran. Dort werden sie normalerweise von norwegischen Abfangjägern erwartet.


SPIEGEL ONLINE: Norwegen und Russland streiten sich um den Verlauf ihrer Staatsgrenze zur See. Beunruhigt Sie das nicht?
Grytting: Wir haben Bodenschätze, offene Grenzfragen und viel Militär in der Arktis. Das war noch nie ein Rezept für Frieden. Dennoch bin ich optimistisch, dass wir die offenen Fragen friedlich lösen.

SPIEGEL ONLINE:
Um welche Konfliktpunkte geht es?
Grytting: Da ist etwa ein Gebiet in der Barentssee, das von beiden Ländern beansprucht wird. Ausserdem bestehen unterschiedliche Auffassungen, was den Status von Svalbard (Spitzbergen) angeht. Seit den zwanziger Jahren gilt ein Völkerrechtsvertrag, wonach die Inseln zu Norwegen gehören, die Bodenschätze aber für alle Unterzeichnerstaaten des Vertrages zugänglich sind. Zudem darf kein Land Militärbasen einrichten. Der Vertrag ist gültig innerhalb der üblichen Zwölf-Seemeilen-Zone.

SPIEGEL ONLINE: Russland behauptet, der Vertrag gilt auch darüber hinaus. Müsste Norwegen demnach nicht auch Russland einräumen, im Seegebiet vor Spitzbergen Öl oder Gas zu fördern, wenn dort etwas gefunden würde?
Grytting: Norwegen sieht die Rechtslage als eindeutig an.

SPIEGEL ONLINE:
Unterstützen Sie auch die Wissenschaft, etwa jetzt im auslaufenden Internationalen Polarjahr?
Grytting: Wir hatten auf unseren Eisbrechern für acht Wochen Polarforscher. Wir fuhren um Svalbard, auch zur Bäreninsel, die sich in der Fram-Strasse bei Grönland befindet, und ich muss sagen, dass dies zu den besonders angenehmen Seiten meiner Arbeit zählt.

Quelle: Spiegel Online
Das Interview führte Gerald Traufetter.

Russischer-Raketenkreuzer

Russischer Raketenkreuzer: Die 1986 in Dienst gestellte "Marschall Ustinow" kreuzte im vergangenen Sommer in arktischen Gewässern, um die russische Präsenz dort zu stärken.