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In der Arktis existiert das giftige Vermächtnis des Kalten Krieges auch weiterhin. Die ehemalige Sowjetunion hatte dazumal ihre nuklearen Abfälle tonnenweise in den Tiefen des Meeres versenkt. Seit mehr als zehn Jahren haben westliche Staaten Russland dabei geholfen, nuklearen Brennstoff von ausgemusterten U-Booten, zu entfernen und zu entsorgen. Nicht ganz ohne Eigennutz, denn die Kola-Halbinsel ist die am nächsten zu Skandinavien gelegene russische Region.

Nachdem bereits in den ersten fünf Jahren immer wieder Probleme mit den Reaktoren aufgetreten waren, gab es am 24. Mai 1968 einen ernsten Unfall. Das Boot wurde nie dekontaminiert und der Reaktor nie repariert. 1980 wurde dann entschieden, den Rumpf mit beiden Reaktoren in der Karasee vor Nowaja Semlja zu versenken.
Nachdem bereits in den ersten fünf Jahren immer wieder Probleme mit den Reaktoren aufgetreten waren, gab es am 24. Mai 1968 einen ernsten Unfall. Das Boot wurde nie dekontaminiert und der Reaktor nie repariert. 1980 wurde dann entschieden, den Rumpf mit beiden Reaktoren in der Karasee vor Nowaja Semlja zu versenken.

Aber weiter östlich liegt ein beinahe intaktes nuklear-betriebenes U-Boot, die K-27, auf dem Grund der Kara-See und sein hoch angereicherter Brennstoff, nämlich Uranstäbe, sind eine potentielle Zeitbombe. Im Sommer 2013 möchten die russischen Behörden nun sehen, ob die K-27 sicher geborgen werden kann. Die Uranbrennstäbe liegen noch im «Versiegelten» Inneren des Reaktors. Sie planen auch weitere zahlreiche Nuklearabfalldeponien in der Kara-See zu inspizieren, da dort der russische Energiekonzern Rosneft mit seinem US-Partner Exxon Mobil nach Gas und Öl suchen möchten. Seismische Tests wurden bereits durchgeführt und die ersten Probebohrungen könnten bereits im nächsten Jahr beginnen. Daher möchte Russland keine radioaktive Bedrohung, welche diese Pläne überschatten könnte. Denn es geht um viel: Rosneft schätzt, dass die vor der Küste liegenden fossilen Reserven rund 21.5 Milliarden Tonnen umfassen. In einer Erklärung an BBC sagte Exxon Mobil, dass vor einer Offshore-Bohrung «es in der Branche üblich ist, extensive Untersuchungen auf und unter dem Meeresboden durchzuführen», um nach möglichen Risiken zu suchen. Dabei werden Techniken wie Fernecholotung und ein Magnetometer benutzt. Weiter sagte Exxon, Rosneft habe auch eine Untersuchung, die sich mit dem Nuklearabfall in der Kara-See befasst, durchgeführt. Die beiden Firmen seien «zuversichtlich, dass wir sicher in der Kara-See bohren können und Gefahren durch radioaktives Material auf dem Meeresboden vermeiden können.»

Von 1955 bis zur Auflösung der UdSSR im Jahr 1991 wurden 240 Atom-U-Boote mit Nuklearantrieb hergestellt. Viele ausser Dienst gestellte U-Boote lässt man zunächst in den Marinestützpunkten liegen, bevor sie dann abgewrackt werden.
Von 1955 bis zur Auflösung der UdSSR im Jahr 1991 wurden 240 Atom-U-Boote mit Nuklearantrieb hergestellt. Viele ausser Dienst gestellte U-Boote lässt man zunächst in den Marinestützpunkten liegen, bevor sie dann abgewrackt werden.

Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch strategisch wichtig

Die Kara-See ist eine abgelegene, wenig besiedelte und eisige Region im Norden Russlands und die meiste Zeit des Jahres zugefroren. Das unwirtliche Klima würde Aufräumarbeiten nach einer möglichen grossen Ölpest zu einer riesigen Herausforderung machen, befürchten Umweltschützer. Diese Befürchtungen wurden vor kurzem durch das Kulluk-Unglück, einer zu Shell gehörenden Ölplattform, die in Alaska auf Grund lief, weiter genährt. Aber Charles Emmerson, ein Arktis-Spezialist der renommierten Chatham House Expertenkommission, sagt, dass Bohrungen in der Arktis von «grösster strategischer Bedeutung» für Russland sei, da es stark von Öl- und Gasexporten abhängig ist. Es habe grössere Priorität in Russland als die Energiegewinnung in Alaska für die USA, meint er, da die USA nun genügend Nachschub durch Schiefergas hätten. Dies und die Umweltschutzbedenken würden die Arktis für die USA weit problematischer machen, meint Emmerson weiter. «In den USA steht die Arktis unter dem prüfenden Blick der Öffentlichkeit und alles ist politisch höchst politisch. Aber in Russland ist dieser Druck viel geringer:» Russland investiert zur Zeit rasend schnell in die Entwicklung der Yamal-Halbinsel am östlichen Ufer der Kara-See. Der Rückzug des arktischen Meereises, was als Beweis für die globale Erwärmung betrachtet wird, erlaubt es nun, Flüssiggas-Tankern, den Fernen Osten in Zukunft wieder via Russlands Nord-Route zu erreichen.

1: 2 Reaktoren ohne verbrauchte Kernbrennstoffe  2: 2 Reaktoren ohne verbrauchte Kernbrennstoffe und 60% der Kernbrennstoffe des Eisbrechers Lenin in Containern  3: 6 Reaktoren mit Uran, 10 ohne Kernbrennstoffe, 11.000 Container mit radioaktiven Abfällen  4: Unterseeboot K-27 mit zwei Reaktoren  5: 3 Reaktoren mit und 3 ohne Kernbrennstoffe
1: 2 Reaktoren ohne verbrauchte Kernbrennstoffe
2: 2 Reaktoren ohne verbrauchte Kernbrennstoffe und 60% der Kernbrennstoffe des Eisbrechers Lenin in Containern
3: 6 Reaktoren mit Uran, 10 ohne Kernbrennstoffe, 11.000 Container mit radioaktiven Abfällen
4: Unterseeboot K-27 mit zwei Reaktoren
5: 3 Reaktoren mit und 3 ohne Kernbrennstoffe

Geheime Deponien in der Kara-See

Die westliche Seite der Kara-See, der Nowaja Zemlya-Archipel, ist immer noch militärisches Sperrgebiet. Hier hatte die UdSSR ihr Wasserstoffbomben-Testgelände, zuerst noch oberirdisch, später unterirdisch. Hier liegt auch die K-27. Neben diesem U-Boot belegen offizielle Zahlen auch, dass die militärische Führung hier auch riesige Mengen an Nuklearabfällen entsorgt hatte: 17'000 Container und 19 Schiffe mit radioaktiven Abfällen und 14 Kernreaktoren, von denen 5 noch mit gefährlichen abgebrannten Kernstäben versetzt sind. Daneben wurden schwach radioaktive Flüssigkeiten einfach ins Meer gekippt. Norwegische Experten und die IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) sind zurzeit zufrieden, dass es keine Hinweise gibt auf ein oder mehrere Leck -  die radioaktiven Isotopenwerte in der Kara-See sind normal. Aber Ingar Amundsen, ein Mitarbeiter der norwegischen Strahlenschutzbehörde (NRPA), sagt, dass weitere Kontrollen nötig seien. Das Risiko eines Lecks aufgrund von Korrosion durch das Salzwasser hänge wie ein Damokles-Schwert über dem Ganzen -  und das wäre im Falle der K27 besonders schwerwiegend, sagte er. «Man kann nicht die Möglichkeit ausschliessen, dass da unten noch mehr Abfall liegt, von dem wir gar nichts wissen», meinte er. Igor Kudrik von der norwegischen Umweltgruppe Bellona sagte, dass es sogar das Risiko gebe, dass durch die Korrosion im schlechtesten Fall eine nukleare Kettenreaktion ausgelöst werden könnte.

Die K-159 war ein Atom-U-Boot der sowjetischen und später der russischen Marine. 2003 sank das ausser Dienst gestellte Boot mit neun Besatzungsmitgliedern während des Schlepps zur Abwrackung. Das U-Boot liegt nun in 238 Meter Tiefe.
Die K-159 war ein Atom-U-Boot der sowjetischen und später der russischen Marine. 2003 sank das ausser Dienst gestellte Boot mit neun Besatzungsmitgliedern während des Schlepps zur Abwrackung. Das U-Boot liegt nun in 238 Meter Tiefe.

Weitere Wracks möglich

Mit internationaler Hilfe gelang es Russland, das Wrack des U-Bootes «Kursk» zu bergen, nachdem es in der Barents-See während einer Übungsfahrt im Jahr 2000 gesunken war. Eine Torpedo-Explosion und ein Feuer kostete damals 118 Seeleute das Leben. Die russische Marine geriet wegen ihrer schleppenden Hilfe stark unter Kritik. Aber ein weiteres gesunkenes U-Boot, die K-159, liegt immer noch in internationalen Gewässern auf dem Grund der Barents-See. Und in der Norwegischen See liegt die K-278 Komsomolets  seit 1989 inklusive atomare Brennstäbe und Sprengköpfe, zu tief aber für eine Bergung. Ingar Amundsen meint, dass Russland endlich dem Problem der Nuklearabfälle die dringend notwendige Aufmerksamkeit gewähren würde und «wir sind sehr glücklich, dass sie sich jetzt darauf konzentrieren». Die K-27 war ein Versuchs-U-Boot, das erste der sowjetischen Marine, welches von zwei Reaktoren angetrieben wurde. Das Unglück ereignete sich 1968 während Reparaturarbeiten, als radioaktive Gase aus einem der Reaktoren entwichen und Besatzungsmitglieder vergifteten. Neun Seeleute starben durch Strahlenkrankheit. Die Marine versuchte vergeblich die K-27 zu reparieren und versenkte das U-Boot 1982 illegal vor Nowaja Zemlya.  Das sowjetische Militär behielt das Unglück für Jahrzehnte unter Verschluss. Das Boot liegt nur rund 30 Meter unter der Oberfläche im Stepovogo-Fjord, obwohl internationale Richtlinien verfügen, dass ausgemusterte Schiffe mindestens in 3'000 Meter Tiefe versenkt werden müssen. Letzten September hat ein gemeinsames Norwegisch-Russisch Expedition mit Hilfe eines ROV (ferngesteuerten Unterwassergefährt) und einer Kamera das Wrack untersucht. Einige weitere Nuklearabfalldeponien wurden auch untersucht und es wurden keine Anzeichen für Lecks gefunden, aber die Untersuchungen dauern noch an.