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Bisher hatten Eisbären eine ziemlich unklare Vergangenheit. Nach neusten Erkenntnissen von Forschern ist er ein direkter Abkömmling des Braunbären, dies belegen nun Fossilienfunde. Um im arktischen Treibeis überleben zu können, entwickelte sich die Art demnach vor der letzten Zwischeneiszeit vor rund 150.000 Jahren in vergleichsweise kurzer Zeit.

Eisbaer_auf_Eisscholle
Den Eisbären geht langsam das Eis aus!

Nur wann das war, konnte niemand so genau sagen. Manche Studien schätzten das Alter der Eisbären auf weniger als 75.000 Jahre, andere auf mehr als eine Million. «Diese unterschiedlichen Schätzungen kommen vor allem deswegen zustande, weil es so wenige Eisbären-Fossilien gibt», sagt Øystein Wiig vom Naturkundemuseum in Oslo, der an der Studie mitgearbeitet hat. Der Knochenmangel ist kein Zufall. Denn Eisbären halten sich meist auf dem Meereis auf. Nach ihrem Tod werden sie daher entweder gefressen oder sinken auf den Grund des Ozeans. So gut wie nie überdauert einer als Fossil die Jahrtausende - schon gar nicht an Stellen, die für Wissenschaftler gut zugänglich sind.

Charlotte_Lindqvist
Charlotte Lindqvist

Möglich wurde das alles dank eines auf den ersten Blick nicht allzu spektakulären Fossilienfunds auf Spitzbergen. Vor sechs Jahren hatte ein isländischer Geologe auf der Inselgruppe einen gut erhaltenen Kieferknochen und einen Eckzahn eines Eisbären entdeckt, die sich als ziemlich alt herausstellten: Der dazugehörige Fossilienspender hatte nämlich vor 110.000 bis 130.000 Jahren gelebt. Für die Forscher war das eine der seltenen Gelegenheiten, einen genaueren Blick in die Eisbärengeschichte zu werfen. Denn aus dem Fragment liess sich das Erbmaterial DNA der sogenannten Mitochondrien isolieren.

Laut der an der University of Buffalo im US-Bundesstaat New York tätigen Forscherin Charlotte Lindqvist spaltete sich der Eisbär als eigene Art aus einer Population Braunbären auf dem Alexander-Archipel vor der kanadischen Pazifikküste vor ziemlich genau 152.000 Jahren ab. «Besonders wichtig war es uns, Braunbären von den Inseln Admiralty, Baranof und Chichagof dabei zu haben», sagt Charlotte Lindqvist. Denn auf diesen Inseln im Südosten Alaskas leben heute diejenigen Braunbären, die genetisch am engsten mit den Eisbären verwandt sind.

Fossilienfund_-_Spitzbergen
Die in Spitzbergen gefundenen Knochen sind ca. 110.000 bis 130.000 Jahren alt.

Rasante Entwicklung

Eisbären sind also erst ziemlich spät auf der Bühne der Evolution erschienen, haben sich dann aber sehr schnell auf das Leben im Eis eingerichtet. Triebfeder dieser rapiden Entwicklung war vermutlich ein Klimawandel im letzten Eiszeitalter, das vor rund zwei Millionen Jahren begann und vor 12.000 Jahren endete. Während dieser Periode wechselten mehrmals Kaltzeiten mit Warmzeiten ab. Immer wieder schoben sich Eisschilde über Europa, Sibirien und Nordamerika und zogen sich wieder zurück.

Tier- und Pflanzenwelt mussten sich an den ständigen Wandel anpassen, oder sie starben aus. Dem Eisbären gelang es, sich an die Kälte anzupassen und seinen Lebensraum dauerhaft in die Arktis zu verlegen.

Den Experten macht das rasante Tempo des heutigen Klimawandels aber Sorgen, ob dem Eisbär der umgekehrte Weg auch gelingt, wenn es jetzt immer wärmer wird, ist zweifelhaft.

Verbreitungsbebiet_-_Eisbaeren
Die Eisbären sind in der Arktis rund um den Nordpol anzutreffen.